Wie die Wechseljahre ablaufen
Ab etwa Mitte 40 bilden die Eierstöcke allmählich weniger Hormone, vor allem Östrogen. Die Regelblutungen werden unregelmäßiger, bis sie ganz ausbleiben. Diese letzte Blutung heißt Menopause. Sie lässt sich nur im Rückblick bestimmen, wenn ein Jahr lang keine Blutung mehr aufgetreten ist. Im Durchschnitt liegt sie bei 51 Jahren.
Die Wechseljahre sind ein Übergang über mehrere Jahre, keine Krankheit. Endet die Regel vor dem 40. Lebensjahr, spricht man von vorzeitigen Wechseljahren, die ärztlich abgeklärt werden sollten. Auch familiäre Veranlagung und Rauchen beeinflussen den Zeitpunkt.
Typische Beschwerden in den Wechseljahren
Hitzewallungen und Schweißausbrüche sind die häufigsten Beschwerden, bis zu zwei Drittel aller Frauen kennen sie. Eine einzelne Hitzewallung dauert im Schnitt etwa drei Minuten. Nachts können sie den Schlaf empfindlich stören. Ohne Behandlung klingen sie meist nach vier bis fünf Jahren ab, bei manchen Frauen dauern sie länger.
Weitere mögliche Veränderungen:
• Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, gedrückte Stimmung
• weniger Lust auf Sex
• Gewichtszunahme, vor allem am Bauch
• trockene, dünnere Scheidenschleimhaut, die Geschlechtsverkehr unangenehm machen kann
• eine empfindlichere Blase und häufigere Blasenentzündungen
Wie stark die Wechseljahre spürbar sind, ist sehr unterschiedlich. Manche Frauen merken kaum etwas, nur wenige haben über lange Zeit starke Beschwerden.
Behandlung von Wechseljahresbeschwerden
Viele Frauen brauchen keine Behandlung, weil die Beschwerden mit der Zeit nachlassen. Belasten sie den Alltag stark, gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Am wirksamsten gegen Hitzewallungen ist eine Hormontherapie mit Östrogen, bei erhaltener Gebärmutter kombiniert mit einem Gestagen. Sie kann anfangs Brustspannen, Übelkeit oder Schmierblutungen verursachen. Bei längerer Anwendung steigt das Risiko für Blutgerinnsel, Schlaganfall und Brustkrebs. Deshalb wird sie meist so kurz wie nötig eingesetzt, und Nutzen und Risiken werden ärztlich abgewogen. Nach dem Absetzen kehren die Beschwerden oft zurück. Hormonpräparate für die Wechseljahre schützen nicht vor einer Schwangerschaft.
Bei Trockenheit der Scheide helfen Östrogen-Cremes, Zäpfchen oder Ringe, die örtlich wirken. Hormonfreie Feuchtigkeitsgele und Gleitmittel sind eine Alternative.
Was Sie in den Wechseljahren selbst tun können
Gegen Hitzewallungen helfen vor allem praktische Kniffe: Kleidung im Zwiebellook, die sich schnell ablegen lässt, ein kühles Schlafzimmer und leichte Bettdecken. Manche Frauen bemerken, dass heiße Getränke, Alkohol oder scharfes Essen eine Hitzewelle auslösen, und meiden diese dann gezielt.
Regelmäßige Bewegung lohnt sich in dieser Lebensphase besonders. Sie stärkt Herz und Knochen, hilft beim Gewicht und verbessert Kraft und Trittsicherheit. Entspannungsübungen, Atemtechniken und Yoga können Wohlbefinden und Schlaf verbessern, die Hitzewallungen selbst verringern sie aber kaum.
Nach den Wechseljahren steigt das Risiko für Osteoporose, weil der Schutz des Östrogens für die Knochen nachlässt. Eine Ernährung mit ausreichend Calcium, etwa aus Milchprodukten, grünem Gemüse und calciumreichem Mineralwasser, sowie genug Vitamin D unterstützen gesunde Knochen.
Blasenschwäche: Formen und Ursachen
Ungewollter Urinverlust ist bei Frauen häufig und trotzdem ein Tabuthema. Viele warten Jahre, bevor sie darüber sprechen, obwohl sich die Beschwerden oft gut bessern lassen. Die wichtigsten Formen:
• Belastungsinkontinenz: Beim Husten, Niesen, Lachen, Treppensteigen oder Sport gehen ein paar Tropfen Urin ab. Meist ist der Beckenboden geschwächt, häufig nach Geburten.
• überaktive Blase: Ein plötzlicher, starker Harndrang lässt kaum Zeit bis zur Toilette, oft mit sehr häufigem Wasserlassen.
• Mischformen aus beiden
In den Wechseljahren werden die Schleimhäute von Harnröhre und Blase durch den sinkenden Östrogenspiegel dünner und empfindlicher. Auch Übergewicht, chronischer Husten und schweres Heben belasten den Beckenboden. Brennen beim Wasserlassen, Blut im Urin oder Schmerzen deuten eher auf andere Ursachen hin und sollten abgeklärt werden.
Was bei Blasenschwäche hilft
Beckenbodentraining ist die wichtigste Maßnahme bei Belastungsinkontinenz und auch bei überaktiver Blase sinnvoll. Am wirksamsten ist es unter Anleitung einer Physiotherapeutin oder eines Physiotherapeuten, denn viele Frauen spannen anfangs die falschen Muskeln an. Erste Fortschritte zeigen sich meist nach einigen Wochen regelmäßigen Übens.
Weitere Bausteine:
• Ein Blasentagebuch über einige Tage zeigt, wann und wie viel Sie trinken und wann Urin abgeht.
• Beim Blasentraining werden die Abstände zwischen den Toilettengängen schrittweise verlängert.
• Ein Pessar, ein kleiner Einsatz für die Scheide, kann die Harnröhre stützen, vor allem bei einer Senkung.
• Bei Beschwerden in den Wechseljahren kann eine örtliche Östrogenbehandlung infrage kommen.
• Bei überaktiver Blase gibt es Medikamente, bei ausgeprägter Belastungsinkontinenz auch Operationen.
Trinken Sie nicht deutlich weniger, um Urinverlust zu vermeiden. Konzentrierter Urin kann die Blase zusätzlich reizen. Passende Einlagen geben im Alltag Sicherheit, bis die Behandlung wirkt.
Wiederkehrende Blasenentzündungen
Brennen beim Wasserlassen und ständiger Harndrang mit kleinen Urinmengen sind typische Zeichen einer Blasenentzündung. Nach den Wechseljahren treten sie häufiger auf, weil sich Schleimhaut und Scheidenflora verändern.
Ein sicheres Rezept zur Vorbeugung gibt es nicht. Frauen, die Cranberry-Produkte einnahmen, hatten in Studien etwas seltener eine Blasenentzündung: etwa 5 von 100 in drei Monaten statt etwa 8 von 100 ohne. Der Effekt hält nur während der Einnahme an. Örtlich angewendetes Östrogen kann bei Frauen nach den Wechseljahren Infekte verringern. Dass viel Trinken, warme Füße oder weniger Stress vorbeugen, ist nicht belegt.
Antibiotika sind zur Behandlung gut geeignet, aber nicht in jedem Fall nötig. Was sinnvoll ist, klären Sie ärztlich.
Weitere häufige Themen der Frauengesundheit
Scheidenpilz verursacht Juckreiz, Brennen und oft einen weißlichen, krümeligen Ausfluss. Ist er ärztlich bestätigt, lässt er sich häufig mit Mitteln aus der Apotheke behandeln. Beim ersten Auftreten, in der Schwangerschaft und bei wiederholten Infektionen sollte er ärztlich abgeklärt werden.
Bei der Endometriose wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter. Typisch sind sehr starke Regelschmerzen, die den Alltag einschränken.
Prämenstruelle Beschwerden wie Brustspannen, Reizbarkeit oder Wassereinlagerungen treten in den Tagen vor der Regelblutung auf und lassen mit ihrem Beginn nach.
Gesetzlich versicherte Frauen haben Anspruch auf Krebsfrüherkennung, unter anderem für Gebärmutterhals und Brust.
Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten
• Blutungen nach den Wechseljahren sind nicht normal und sollten immer abgeklärt werden.
• ungewöhnlich starke, lange oder sehr schmerzhafte Regelblutungen
• ein neu getasteter Knoten in der Brust: zeitnah abklären
• starke Unterleibsschmerzen, besonders mit Fieber
• Fieber, Schüttelfrost oder Flankenschmerzen bei Blasenbeschwerden: rasch abklären, es kann eine Nierenbeckenentzündung sein
• Blut im Urin
• Blasenschwäche, die den Alltag einschränkt
• Regel endet vor dem 40. Lebensjahr
Erste Anlaufstelle ist meist die gynäkologische Praxis, bei Blasenbeschwerden auch die hausärztliche oder urologische. Physiotherapie und Beckenbodenkurse unterstützen bei Blasenschwäche. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den Bereitschaftsdienst unter 116117, im Notfall den Rettungsdienst unter 112.
Häufige Irrtümer
• »Blasenschwäche gehört nach Geburten oder im Alter einfach dazu.« Sie ist häufig, lässt sich aber oft deutlich bessern, besonders mit gezieltem Beckenbodentraining.
• »Weniger trinken hilft gegen Urinverlust.« Zu wenig Flüssigkeit reizt die Blase eher.
• »Pflanzlich heißt automatisch harmlos.« Auch pflanzliche Präparate können Nebenwirkungen und Wechselwirkungen haben.
• »Wechseljahre muss man einfach aushalten.« Bei starken Beschwerden gibt es wirksame Behandlungen, über die sich ein Gespräch lohnt.
Pflanzliche Mittel und Nahrungsergänzung realistisch eingeordnet
Für die Wechseljahre werden Präparate mit Soja-Isoflavonen, Rotklee oder Traubensilberkerze angeboten, für die Blase solche mit Kürbiskernen, Cranberry oder Pflanzenextrakten. Nahrungsergänzungsmittel sind rechtlich Lebensmittel und werden vor dem Verkauf nicht auf Wirksamkeit geprüft. Ein Nutzen von Soja, Rotklee und Traubensilberkerze gegen Wechseljahresbeschwerden ist nicht belegt. Zu Cranberry bei wiederkehrenden Blasenentzündungen gibt es Hinweise auf einen kleinen Effekt.
Zugelassen sind einzelne Aussagen zu Nährstoffen, etwa »Vitamin B6 trägt zur Regulierung der Hormontätigkeit bei.« oder »Vitamin D trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei.« Sie beschreiben die normale Körperfunktion, keine Behandlung von Beschwerden.
Bitte beachten Sie:
• Frauen mit hormonabhängigen Erkrankungen, etwa nach Brustkrebs, besprechen pflanzliche Präparate mit hormonähnlicher Wirkung vorher ärztlich.
• Traubensilberkerze wurde in seltenen Fällen mit Leberschäden in Verbindung gebracht.
• Wer Medikamente einnimmt, schwanger ist oder stillt, klärt die Einnahme vorher ab.
• Die empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden.
Produkte in diesem Bereich
Unten finden Sie Produkte, die wir dem Thema Frauengesundheit zugeordnet haben. Sie ersetzen keine Behandlung. Bei Blutungen nach den Wechseljahren, Blut im Urin oder anhaltenden Blasenbeschwerden lassen Sie die Ursache bitte zuerst ärztlich abklären.