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Gesundheitsthema

Tinnitus und Schwerhörigkeit: Ursachen, Hilfe, Warnzeichen

Ohrgeräusche, ein plötzlich dumpfes Ohr oder ein Gehör, das langsam nachlässt, verunsichern viele. Hier erfahren Sie, was hinter Tinnitus, Hörsturz und Altersschwerhörigkeit steckt, welche Behandlungen nachweislich helfen, was Sie selbst tun können und wann eine rasche Abklärung wichtig ist.

Tinnitus: was hinter Ohrgeräuschen steckt

Tinnitus bedeutet, dass man Töne hört, die keine äußere Quelle haben: Pfeifen, Rauschen, Summen, Brummen oder Klingeln. Fast jeder kennt das kurz nach einem lauten Konzert. Solche Geräusche verschwinden meist nach Minuten oder Stunden wieder. Bei etwa 5 bis 15 von 100 Erwachsenen halten Ohrgeräusche irgendwann länger an. Von ihnen fühlen sich etwa 10 bis 20 von 100 so stark beeinträchtigt, dass sie Behandlung brauchen. Tinnitus beginnt am häufigsten ab etwa 50 Jahren, bei Kindern ist er selten. Bestehen die Geräusche länger als drei Monate, spricht man von chronischem Tinnitus.

Formen und Ursachen von Ohrgeräuschen

Meist hört nur die betroffene Person das Geräusch (subjektiver Tinnitus). Selten ist es auch von außen messbar, etwa ein pulsierendes Rauschen durch ein verengtes Blutgefäß. Ein pulsierender, herzschlagsynchroner Tinnitus sollte immer ärztlich abgeklärt werden. Häufige Auslöser sind: • Lärmschäden an den Sinneszellen im Innenohr, auch durch einen einzelnen Knall • Schwerhörigkeit und Hörsturz • ein Pfropf aus Ohrenschmalz, Mittelohrentzündungen oder ein Loch im Trommelfell • Erkrankungen wie Otosklerose oder Morbus Menière • Verspannungen oder Probleme im Kiefergelenk und der Kaumuskulatur • bestimmte Medikamente, etwa hoch dosierte Acetylsalicylsäure Oft lässt sich keine Ursache finden. Ob Stress Tinnitus auslöst, ist nicht geklärt, er kann die Belastung durch die Geräusche aber verstärken.

Hörsturz: plötzlich schlechter hören

Bei einem Hörsturz verschlechtert sich das Gehör plötzlich, meist auf einem Ohr. Manche bemerken es beim Aufwachen. Das Ohr fühlt sich an wie mit Watte verstopft, oft kommen Ohrgeräusche, Schwindel oder ein taubes Gefühl an der Ohrmuschel hinzu. In Deutschland trifft es schätzungsweise 160 bis 400 von 100.000 Menschen pro Jahr, am häufigsten um das 50. Lebensjahr. In über 90 Prozent der Fälle bleibt die Ursache unklar. Vermutet werden unter anderem Virusentzündungen und Durchblutungsstörungen im Innenohr. Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum erhöhen das Risiko. Behandelt wird meist mit Kortison, als Tabletten, Infusion oder Spritze ins Mittelohr. Es kann die Chancen auf Erholung verbessern. Bei leichtem Hörverlust ohne Einschränkung des Sprachverstehens ist auch Abwarten möglich. Viele erholen sich vollständig, bei manchen bleibt eine Hörminderung.

Schwerhörigkeit und Altersschwerhörigkeit

Fachleute schätzen, dass 16 bis 25 von 100 Erwachsenen in Deutschland schlechter hören, von den über 65-Jährigen etwa ein Drittel. Altersschwerhörigkeit entwickelt sich langsam über Jahre, meist auf beiden Ohren gleich. Zuerst gehen leise und hohe Töne verloren. Typisch ist, dass Gespräche in einer Gaststätte oder bei Familienfeiern schwerer zu verstehen sind, während das Zwiegespräch im ruhigen Raum noch gut klappt. Oft bemerken Angehörige die Veränderung zuerst, etwa weil der Fernseher lauter läuft. Unbehandelt kann Schwerhörigkeit dazu führen, dass Betroffene sich zurückziehen. Das Risiko für Niedergeschlagenheit und Stürze steigt. Neben dem Alter tragen Lärm und Veranlagung bei, seltener Entzündungen, Verletzungen oder Medikamente.

So wird untersucht

In der HNO-Praxis geht es zunächst um Ihre Beobachtungen: Seit wann bestehen die Beschwerden, auf welchem Ohr, gibt es Schwindel, Druck oder Schmerzen, welche Medikamente nehmen Sie? Dann werden Gehörgang und Trommelfell angeschaut und das Gehör getestet. Bei Hörtests reagieren Sie auf Töne oder Wörter. Andere Messungen erfassen die Funktion des Innenohrs ohne Ihre Mitarbeit. Bei einseitigem Tinnitus mit einseitig schlechter werdendem Hören wird gezielt nach selteneren Ursachen gesucht, gegebenenfalls mit einer Bildgebung. Bei Verdacht auf Probleme im Kiefer kann eine zahnärztliche Untersuchung sinnvoll sein.

Behandlung: was nachweislich hilft

Lässt sich eine Ursache finden, wird sie behandelt, zum Beispiel ein Ohrenschmalzpfropf oder eine Entzündung. Dann verschwinden Ohrgeräusche oft wieder. Bei chronischem Tinnitus ohne erkennbare Ursache ist die kognitive Verhaltenstherapie am gründlichsten untersucht. Sie lässt die Geräusche nicht verschwinden, hilft aber, ihnen weniger Aufmerksamkeit zu schenken. Schlaf, Konzentration und Lebensqualität können sich dadurch bessern. Beratung, Entspannungsverfahren und Selbsthilfegruppen ergänzen das. Besteht zusätzlich eine Schwerhörigkeit, kann ein Hörgerät gleichzeitig das Hören verbessern und die Ohrgeräusche in den Hintergrund rücken. Bei sehr starker Schwerhörigkeit oder Taubheit kommt ein Cochlea-Implantat infrage. Für pflanzliche Mittel, Nahrungsergänzung, Kortison und das Medikament Carbamazepin ist ein Nutzen bei chronischem Tinnitus nicht belegt. Infusionen mit Hydroxyethylstärke (HES) haben keinen nachgewiesenen Nutzen und können schwere allergische Reaktionen auslösen.

Was Sie im Alltag selbst tun können

Bei Tinnitus hilft es vielen, die Geräusche nicht ständig zu überprüfen und den Tag bewusst zu füllen. Leise Hintergrundklänge wie ein offenes Fenster oder ruhige Musik machen das Ohrgeräusch beim Einschlafen weniger aufdringlich. Feste Schlafenszeiten und Entspannungsübungen senken die Anspannung. Mit einem neuen Hörgerät braucht es Geduld. Tragen Sie es möglichst den ganzen Tag, damit sich das Gehirn an die neuen Klänge gewöhnt. Die ersten Wochen klingen Alltagsgeräusche oft ungewohnt laut. Nachjustieren beim Hörakustiker ist normal. Gespräche werden leichter, wenn Sie mit Ihrem Gegenüber vereinbaren: • sich anzusehen und nicht aus einem anderen Raum zu sprechen • deutlich, aber nicht schreiend zu reden • Radio oder Fernseher während des Gesprächs auszuschalten • im Restaurant einen Platz mit der Wand im Rücken zu wählen Ohrenschmalz reinigt sich in der Regel selbst. Wattestäbchen schieben es eher tiefer in den Gehörgang.

Gehör schützen

Lärm kann das Innenohr dauerhaft schädigen, und geschädigte Sinneszellen wachsen nicht nach. Schutz lohnt sich deshalb in jedem Alter: • Ohrstöpsel bei Konzerten, im Club und bei lauten Veranstaltungen • Gehörschutz beim Heimwerken, Rasenmähen oder mit Laubbläser, auch bei kurzer Dauer • Kopfhörer nicht dauerhaft laut stellen und Pausen einlegen • nach lauter Belastung dem Gehör Ruhe gönnen Wer bereits Tinnitus hat, senkt mit Lärmschutz das Risiko, dass er sich verfestigt.

Warnzeichen: wann Sie rasch ärztlichen Rat brauchen

• plötzliche Hörminderung auf einem Ohr: zeitnah HNO-ärztlich abklären lassen • plötzlicher Hörverlust auf beiden Ohren: sofort ärztliche Hilfe • Ohrgeräusche zusammen mit Schwindel, Übelkeit oder Hörverlust • Tinnitus nur auf einer Seite oder pulsierend im Herzschlag • Ohrenschmerzen mit Fieber oder Ausfluss aus dem Ohr • Ohrgeräusche, die länger als einige Tage anhalten oder stark belasten • schleichende Verschlechterung des Hörens Erste Anlaufstellen sind die hausärztliche und die HNO-ärztliche Praxis. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, im Notfall den Rettungsdienst unter 112.

Häufige Irrtümer

• »Tinnitus ist eingebildet.« Die Geräusche sind real wahrgenommen, sie entstehen durch eine Fehlverarbeitung im Hörsystem, nicht durch eine äußere Quelle. • »Gegen Tinnitus gibt es eine Tablette.« Ein Medikament mit belegtem Nutzen bei chronischem Tinnitus gibt es nicht. • »Hörgeräte braucht man erst, wenn gar nichts mehr geht.« Je früher eine Hörminderung versorgt wird, desto leichter fällt meist die Gewöhnung. • »Bei einem plötzlich dumpfen Ohr wartet man erst einmal ab.« Eine plötzliche Hörminderung sollte zeitnah ärztlich angeschaut werden, damit gemeinsam über eine Behandlung entschieden werden kann.

Ohrentropfen und Nahrungsergänzung realistisch eingeordnet

Für Tinnitus und das Gehör werden Kapseln mit Ginkgo, Zink, Magnesium oder Vitaminen sowie pflanzliche Tropfen angeboten. Nahrungsergänzungsmittel sind rechtlich Lebensmittel und werden vor dem Verkauf nicht auf Wirksamkeit geprüft. Für keines dieser Mittel ist nachgewiesen, dass es Tinnitus oder Schwerhörigkeit lindert. Wer solche Präparate ausprobieren möchte, sollte vorher die Ursache der Beschwerden ärztlich klären lassen und ein paar Punkte beachten: • Ginkgo kann bei gleichzeitiger Einnahme von Blutverdünnern das Blutungsrisiko erhöhen. • Ohrentropfen nicht anwenden bei Ohrenschmerzen, Ausfluss, einem bekannten Loch im Trommelfell oder Paukenröhrchen, außer nach ärztlicher Rücksprache. • Die empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden.

Produkte in diesem Bereich

Unten finden Sie Produkte, die wir dem Thema Gehör zugeordnet haben, darunter Tropfen und Kapseln. Sie ersetzen keine Behandlung. Plötzliche Hörminderung, einseitige oder pulsierende Ohrgeräusche gehören zuerst in die HNO-ärztliche Praxis.

Häufige Fragen

Ist Tinnitus gefährlich?

Meist nicht. Ohrgeräusche sind häufig harmlos und vorübergehend. Kommen Schwindel, Hörverlust oder ein pulsierendes Geräusch hinzu oder tritt der Tinnitus nur einseitig auf, sollte er ärztlich abgeklärt werden.

Was hilft sofort gegen Tinnitus?

Ein Mittel, das Ohrgeräusche auf der Stelle abstellt, gibt es nicht. Leise Hintergrundgeräusche, Entspannung und Ablenkung machen die Geräusche oft weniger aufdringlich. Halten sie an, ist eine HNO-ärztliche Untersuchung sinnvoll.

Wann ist ein Tinnitus chronisch?

Wenn die Ohrgeräusche länger als drei Monate bestehen. Am gründlichsten untersucht ist dann die kognitive Verhaltenstherapie, die den Umgang mit den Geräuschen erleichtert.

Geht Tinnitus wieder weg?

Oft ja, vor allem wenn eine behandelbare Ursache wie ein Ohrenschmalzpfropf dahintersteckt. Bleibt die Ursache unklar, kann er chronisch werden. Auch dann nimmt die Belastung mit der Zeit häufig ab.

Woran erkenne ich einen Hörsturz?

Das Gehör verschlechtert sich plötzlich, meist auf einem Ohr, oft mit Wattegefühl, Ohrgeräuschen oder Schwindel. Lassen Sie das zeitnah ärztlich abklären. Bei Hörverlust auf beiden Ohren brauchen Sie sofort Hilfe.

Helfen Ginkgo oder Zink bei Tinnitus?

Ein Nutzen von pflanzlichen Mitteln und Nahrungsergänzung bei Tinnitus ist nicht nachgewiesen. Ginkgo kann zusammen mit Blutverdünnern das Blutungsrisiko erhöhen.

Woran merke ich, dass ich schlechter höre?

Typisch ist, dass Gespräche in lauter Umgebung schwerer zu verstehen sind, Sie öfter nachfragen und den Fernseher lauter stellen. Oft bemerken Angehörige die Veränderung zuerst. Ein Hörtest in der HNO-Praxis schafft Klarheit.

Wie lange dauert die Gewöhnung an ein Hörgerät?

Meist einige Wochen. Tragen Sie das Gerät möglichst den ganzen Tag, damit sich das Gehirn an die Klänge gewöhnt. Nachjustieren beim Hörakustiker gehört dazu.

Wie schütze ich mein Gehör vor Lärm?

Tragen Sie bei Konzerten, im Club und bei lauten Arbeiten Ohrstöpsel oder Gehörschutz, auch bei kurzer Dauer. Stellen Sie Kopfhörer nicht dauerhaft laut und gönnen Sie dem Gehör nach Lärm Ruhe.

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Quellen

  1. Tinnitus – gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit)
  2. Ohrgeräusche (Tinnitus) – gesundheitsinformation.de (IQWiG)
  3. Hörsturz – gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit)
  4. Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit bei Erwachsenen – gesundheitsinformation.de (IQWiG)
  5. Nahrungsergänzungsmittel – was ist zu beachten? – gesundheitsinformation.de

Stand: 12.10.2026