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Gesundheitsthema

Würmer und Darmparasiten: Anzeichen, Behandlung, Hygiene

Madenwürmer sind in Deutschland der häufigste Wurmbefall, besonders bei Kindern. Hier erfahren Sie, woran Sie einen Befall erkennen, wie er festgestellt und behandelt wird, welche Hygiene wirklich zählt und wie Sie andere Verdauungsbeschwerden wie Reizdarm, Verstopfung oder Hämorrhoiden einordnen.

Welche Würmer in Deutschland vorkommen

Bei einem Wurmbefall denken viele an exotische Reisekrankheiten. Im Alltag in Deutschland geht es aber fast immer um Madenwürmer, auch Fadenwürmer oder Oxyuren genannt. Sie sind der häufigste Wurmbefall in Europa. Schätzungen zufolge ist jedes dritte bis fünfte Kind im Kindergarten- oder Grundschulalter betroffen, Erwachsene stecken sich oft bei ihren Kindern an. Seltener sind Spulwürmer, die über verunreinigtes Gemüse aufgenommen werden können, und Bandwürmer, die über rohes oder nicht durchgegartes Rind- oder Schweinefleisch übertragen werden. Der Fuchsbandwurm ist eine seltene, aber ernste Erkrankung: In Deutschland werden pro Jahr etwa 30 bis 60 Fälle der alveolären Form gemeldet, überwiegend aus ländlichen Regionen in Süddeutschland.

So steckt man sich mit Madenwürmern an

Madenwürmer leben im Darm. Nachts wandern die Weibchen zum After und legen dort bis zu 10.000 klebrige Eier ab. Das löst den typischen Juckreiz aus. Beim Kratzen gelangen die Eier an Finger und unter die Fingernägel und von dort in den Mund, auf Türklinken, Spielzeug, Handtücher und Bettwäsche. Außerhalb des Körpers bleiben die Eier bis zu drei Wochen ansteckend. Kinder infizieren sich deshalb leicht immer wieder selbst, und Familienmitglieder stecken sich über gemeinsam genutzte Wäsche und Gegenstände an. Der Mensch ist der einzige Wirt: Hunde und Katzen spielen bei Madenwürmern keine Rolle als Überträger. Ein Befall hat nichts mit mangelnder Sauberkeit zu tun und ist kein Grund, sich zu schämen.

Woran Sie einen Wurmbefall erkennen

Oft verläuft ein Madenwurmbefall ohne deutliche Beschwerden. Das typische Zeichen ist Juckreiz am After, vor allem abends und nachts. Kleine Kinder rutschen dann unruhig hin und her oder schlafen schlecht. Weitere mögliche Folgen: • Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit, Reizbarkeit und Konzentrationsprobleme • Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, allgemeines Unwohlsein • gerötete, aufgekratzte Haut am Po, die sich entzünden kann • bei Mädchen und Frauen Juckreiz oder Entzündung im Scheidenbereich Die Würmer selbst sind weißlich, etwa 5 bis 13 mm lang und manchmal im Stuhl, in der Unterhose oder im Bett zu sehen, meist aber nur bei stärkerem Befall.

So wird ein Wurmbefall festgestellt

Ein Verdacht sollte in der kinderärztlichen oder hausärztlichen Praxis geklärt werden. Eine Wurmkur auf Verdacht ist nicht sinnvoll. Für Madenwürmer gibt es einen einfachen Test: Morgens direkt nach dem Aufstehen, noch vor dem Waschen und dem Toilettengang, wird ein durchsichtiger Klebestreifen mehrmals auf die Haut am After gedrückt und auf einen Objektträger aus der Praxis geklebt. Unter dem Mikroskop lassen sich die Eier dann erkennen. Weil Eier im Stuhl schwer zu finden sind, ist dieser Test aussagekräftiger als eine Stuhlprobe. Häufig wird empfohlen, ihn an mehreren Tagen und bei allen Familienmitgliedern zu machen. Andere Wurmarten werden meist über Stuhluntersuchungen nachgewiesen. Bei Verdacht auf Fuchsbandwurm sind Ultraschall und Blutuntersuchungen nötig.

Behandlung von Madenwürmern

Madenwürmer werden mit Wurmmitteln behandelt, etwa mit den Wirkstoffen Mebendazol, Pyrantel oder Albendazol, als Tablette oder Saft. Welches Mittel und welche Dosis passen, legt die Praxis fest, besonders bei kleinen Kindern, in der Schwangerschaft und in der Stillzeit. Die Mittel töten die Würmer, nicht aber die Eier. Deshalb wird die Behandlung meist nach etwa zwei bis vier Wochen wiederholt, um später geschlüpfte Würmer zu erfassen. Häufig wird empfohlen, alle Haushaltsmitglieder gleichzeitig mitzubehandeln. Kinder können Kita oder Schule nach der ersten Behandlung wieder besuchen, wenn die Hygieneregeln eingehalten werden. Eine Meldepflicht der Einrichtung gegenüber dem Gesundheitsamt besteht bei Wurmbefall nicht.

Hygiene: was zu Hause wirklich zählt

Ohne Hygiene kommt der Befall leicht zurück. Diese Maßnahmen begleiten die Behandlung und sollten auch danach einige Wochen beibehalten werden: • Hände nach jedem Toilettengang und vor dem Essen gründlich mit Seife waschen • Fingernägel kurz halten, Nägelkauen und Daumenlutschen möglichst vermeiden • morgens den Po waschen und täglich frische Unterwäsche anziehen • Unterwäsche, Schlafanzüge, Handtücher, Waschlappen und Bettwäsche häufig wechseln und bei mindestens 60 °C waschen • eigene Handtücher für jede Person • Matratzen, Polster und Teppiche absaugen, glatte Flächen feucht wischen, Spielzeug heiß abwaschen Bei kleinen Kindern können nachts eng anliegende Schlafanzüge oder dünne Baumwollhandschuhe das Kratzen erschweren.

Irrtümer über Parasiten und Darmreinigung

• »Fast jeder hat unbemerkt Parasiten.« Für Deutschland stimmt das so nicht. Häufig sind vor allem Madenwürmer bei Kindern, und die lassen sich gezielt nachweisen. • »Müdigkeit, Blähungen und Heißhunger deuten auf Würmer hin.« Solche Beschwerden haben fast immer andere Ursachen. Ein Befall wird durch Tests festgestellt, nicht durch Symptomlisten. • »Eine Wurmkur zur Vorbeugung schadet nicht.« Eine Behandlung ohne Nachweis ist nicht sinnvoll. • »Ein Detox oder eine Darmreinigung entfernt Parasiten.« Dafür gibt es keinen Beleg. Ein nachgewiesener Wurmbefall gehört mit einem zugelassenen Wurmmittel behandelt. • »Wer Waldbeeren isst, bekommt den Fuchsbandwurm.« Ob die Übertragung über Beeren oder Pilze tatsächlich stattfindet, ist nicht geklärt. Gründliches Waschen und Erhitzen bodennah gesammelter Lebensmittel ist trotzdem sinnvoll.

Reizdarm, Verstopfung und Hämorrhoiden

Viele Verdauungsbeschwerden haben nichts mit Parasiten zu tun. Beim Reizdarmsyndrom bestehen Bauchschmerzen, Krämpfe, Blähungen und ein veränderter Stuhlgang über mehr als drei Monate, ohne dass eine andere Ursache gefunden wird. Betroffen sind schätzungsweise 10 bis 20 von 100 Menschen, Frauen etwa doppelt so oft wie Männer. Der Reizdarm ist lästig, aber nicht gefährlich. Ein Ernährungstagebuch hilft, Auslöser zu erkennen, mehrere kleine Mahlzeiten werden oft besser vertragen. Pfefferminzöl, Probiotika und krampflösende Mittel helfen manchen Betroffenen, psychologische Verfahren wie Hypnose oder Verhaltenstherapie ebenfalls. Bei Verstopfung helfen ballaststoffreiche Kost, ausreichend Flüssigkeit und Bewegung. Von chronischer Verstopfung spricht man, wenn harte, mühsame Stuhlgänge über Monate die Regel sind. Vergrößerte Hämorrhoiden können jucken, nässen, brennen und bluten. Blut im Stuhl sollte trotzdem immer ärztlich abgeklärt werden, auch wenn Hämorrhoiden bekannt sind.

Warnzeichen: wann Sie ärztlichen Rat brauchen

• Blut im Stuhl oder schwarzer, teerartiger Stuhl • ungewollte Gewichtsabnahme, Fieber oder Blässe zusammen mit Bauchbeschwerden • starke, plötzliche oder anhaltende Bauchschmerzen • Veränderungen des Stuhlgangs, die neu auftreten und anhalten • Durchfall mit hohem Fieber oder Zeichen von Austrocknung wie starker Durst, wenig dunkler Urin, Schwindel • Durchfall bei Säuglingen, Kleinkindern und älteren Menschen, die wenig trinken • Juckreiz am After, der trotz Behandlung wiederkommt • Verdauungsbeschwerden nach einer Fernreise Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, im Notfall den Rettungsdienst unter 112.

Pflanzliche Kuren und Nahrungsergänzung realistisch eingeordnet

Angeboten werden zahlreiche Kapseln und Tropfen zur Darmreinigung oder gegen Parasiten, oft mit Kräutern wie Wermut, Walnussschalen, Nelken oder Kürbiskernen. Nahrungsergänzungsmittel sind rechtlich Lebensmittel und werden vor dem Verkauf nicht auf Wirksamkeit geprüft. Dass solche Präparate einen Wurmbefall beenden können, ist nicht belegt. Bei einem nachgewiesenen Befall ist ein zugelassenes Wurmmittel der richtige Weg. Pflanzliche Präparate können allenfalls das Wohlbefinden begleiten. Einige Kräuter sind in größeren Mengen oder in der Schwangerschaft nicht unbedenklich. Achten Sie auf die empfohlene tägliche Verzehrmenge, und sprechen Sie die Einnahme bei Kindern, in Schwangerschaft und Stillzeit oder bei Dauermedikation vorher ärztlich ab.

Wo Sie Unterstützung finden

Erste Anlaufstelle ist die hausärztliche oder kinderärztliche Praxis. Bei anhaltenden Darmbeschwerden helfen gastroenterologische Fachpraxen und Ernährungsberatung weiter. Das örtliche Gesundheitsamt informiert Kitas und Schulen zum Umgang mit Madenwürmern. Gesetzlich Versicherte haben ab 50 Jahren Anspruch auf Darmkrebs-Früherkennung mit Stuhltest oder Darmspiegelung und werden dazu schriftlich eingeladen.

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Unten finden Sie Produkte, die wir dem Thema Parasiten und Verdauung zugeordnet haben. Sie ersetzen keine Behandlung. Ein vermuteter Wurmbefall sollte ärztlich festgestellt und mit einem zugelassenen Mittel behandelt werden.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, ob ich Würmer habe?

Das typische Zeichen für Madenwürmer ist Juckreiz am After, vor allem nachts. Manchmal sind kleine weißliche Würmer im Stuhl oder in der Unterwäsche zu sehen. Sicher feststellen lässt sich ein Befall mit dem Klebestreifentest aus der Praxis.

Wie bekommt man Madenwürmer?

Die Eier gelangen über Hände, Fingernägel, Spielzeug, Handtücher oder Bettwäsche in den Mund. Kinder stecken sich häufig gegenseitig an und infizieren sich durch Kratzen immer wieder selbst. Haustiere übertragen keine Madenwürmer.

Gehen Madenwürmer von allein weg?

In der Regel nicht, weil sich Betroffene durch Kratzen ständig neu anstecken. Ein nachgewiesener Befall wird mit einem Wurmmittel behandelt, die Behandlung wird meist nach zwei bis vier Wochen wiederholt.

Muss die ganze Familie behandelt werden?

Häufig wird empfohlen, alle Haushaltsmitglieder gleichzeitig mitzubehandeln, weil sie sich leicht anstecken. Die Entscheidung trifft die Praxis. Begleitend sind Händewaschen und 60-Grad-Wäsche wichtig.

Sollte man eine Wurmkur auf Verdacht machen?

Nein. Ein Wurmbefall sollte zuerst ärztlich festgestellt werden. Beschwerden wie Müdigkeit oder Blähungen haben meist andere Ursachen.

Wie lange sind Wurmeier ansteckend?

Außerhalb des Körpers können Madenwurmeier bis zu drei Wochen ansteckend bleiben. Deshalb sind häufiges Wechseln und heißes Waschen von Wäsche und Handtüchern so wichtig.

Darf mein Kind mit Madenwürmern in die Kita?

Nach der ersten Behandlung und unter Einhaltung der Hygieneregeln kann das Kind die Einrichtung wieder besuchen. Andere Kinder müssen nicht ausgeschlossen werden, die Eltern sollten aber informiert werden.

Helfen pflanzliche Parasitenkuren oder Darmreinigungen?

Dass solche Präparate einen Wurmbefall beenden, ist nicht belegt. Ein nachgewiesener Befall gehört mit einem zugelassenen Wurmmittel behandelt.

Was hilft bei Reizdarm?

Ein Ernährungstagebuch, mehrere kleine Mahlzeiten und das Meiden von Auslösern helfen vielen. Pfefferminzöl, Probiotika, krampflösende Mittel und psychologische Verfahren können bei manchen die Beschwerden lindern.

Ist Blut im Stuhl immer gefährlich?

Nicht immer, häufig stecken Hämorrhoiden dahinter. Blut im Stuhl sollte aber immer ärztlich abgeklärt werden, auch wenn Hämorrhoiden bekannt sind.

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Quellen

  1. Madenwürmer: Symptome, Behandlung und Vorbeugung – AOK
  2. Merkblatt Madenwurmbefall – Gesundheitsamt Kreis Stormarn
  3. Madenwurminfektion – MSD Manual Ausgabe für medizinische Fachkreise
  4. RKI-Ratgeber Echinokokkose – Robert Koch-Institut
  5. Reizdarmsyndrom – gesundheitsinformation.de (IQWiG)
  6. Vergrößerte Hämorrhoiden – gesundheitsinformation.de (IQWiG)

Stand: 12.10.2026