Häufige Augenbeschwerden im Alltag
Viele Augenbeschwerden sind lästig, aber harmlos. Zu den häufigsten gehören:
• trockene Augen: Brennen, Fremdkörpergefühl, müde oder gerötete Augen, oft nach langer Bildschirmarbeit
• Bindehautentzündung: gerötete, tränende oder morgens verklebte Augen
• Alterssichtigkeit: Ab etwa 40 Jahren fällt es schwerer, in der Nähe scharf zu sehen. Die Zeitung wandert dann immer weiter vom Gesicht weg.
• Kurz- und Weitsichtigkeit, die mit Brille oder Kontaktlinsen ausgeglichen werden
Daneben gibt es Erkrankungen, die lange unbemerkt bleiben und trotzdem das Sehen bedrohen können. Gerade deshalb sind augenärztliche Kontrollen im höheren Alter sinnvoll.
Lässt sich die Sehkraft verbessern?
Wie scharf Sie sehen, hängt vor allem davon ab, wie das Auge das Licht bricht. Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Hornhautverkrümmung und Alterssichtigkeit sind optische Fragen. Sie lassen sich mit einer passenden Brille oder Kontaktlinsen ausgleichen, in bestimmten Fällen auch durch einen Eingriff.
Tabletten, Kapseln oder Lebensmittel können die Sehschärfe nach heutigem Wissen nicht steigern. Verändert sich Ihr Sehen, ist eine augenärztliche Untersuchung oder ein Sehtest beim Augenoptiker der richtige erste Schritt. Eine Brille, die nicht mehr passt, erklärt häufig auch Kopfschmerzen und müde Augen.
Trockene Augen und Bildschirmarbeit
Beim konzentrierten Blick auf den Bildschirm blinzeln wir deutlich seltener. Der Tränenfilm reißt dann schneller auf, und die Augenoberfläche trocknet aus. Trockene Heizungsluft, Klimaanlagen, Zugluft und Kontaktlinsen verstärken das.
Das hilft im Alltag:
• regelmäßige Pausen, in denen Sie bewusst blinzeln und in die Ferne schauen
• den Bildschirm etwas unterhalb der Augenhöhe aufstellen, damit die Lider weiter geschlossen sind
• Räume regelmäßig lüften und Zugluft ins Gesicht vermeiden
• ausreichend trinken
Benetzende Augentropfen, auch Tränenersatzmittel genannt, befeuchten die Augenoberfläche und lindern die Beschwerden. Halten sie an, sollte eine augenärztliche Untersuchung andere Ursachen ausschließen.
Altersabhängige Makuladegeneration (AMD)
Die Makula ist die Stelle des schärfsten Sehens in der Mitte der Netzhaut. Bei der AMD wird sie nach und nach geschädigt. In Industrieländern ist sie die häufigste Ursache für eine starke Sehbehinderung im Alter. Zwischen 65 und 75 Jahren ist etwa 1 von 100 Menschen betroffen, über 85 sind es 10 bis 20 von 100.
Typisch ist, dass das, was man direkt ansieht, verschwommen oder verzerrt erscheint: Gerade Linien wirken wellig, Gesichter und Buchstaben verschwimmen. Am Rand des Blickfelds bleibt das Sehen meist erhalten, völlige Erblindung ist selten.
Es gibt zwei Formen. Die trockene Form schreitet langsam voran und lässt sich bisher nicht wirksam behandeln. Die feuchte Form führt schneller zu Sehverlust, kann aber mit Medikamenten behandelt werden, die ins Auge gespritzt werden. Rauchen und AMD in der Familie erhöhen das Risiko deutlich.
Grüner Star (Glaukom)
Beim Grünen Star wird der Sehnerv geschädigt, meist im Zusammenhang mit einem erhöhten Augeninnendruck. Von den 40- bis 80-Jährigen haben etwa 3 bis 4 von 100 bereits ein Glaukom. Die häufigste Form verläuft schleichend: Ausfälle beginnen am Rand des Gesichtsfelds, während das zentrale Sehen lange scharf bleibt. Viele merken deshalb jahrelang nichts.
Risikofaktoren sind ein hoher Augeninnendruck, höheres Alter, Glaukom in der Familie, starke Kurzsichtigkeit, Diabetes und eine dünne Hornhaut. Behandelt wird meist mit Augentropfen, die den Druck senken und das Fortschreiten bremsen können. Reichen sie nicht, kommen Laser oder Operation infrage. Bereits entstandene Schäden am Sehnerv bleiben bestehen.
Die Messung des Augeninnendrucks zur Früherkennung ist ohne Verdacht meist eine Selbstzahlerleistung. Ob sie für alle sinnvoll ist, ist nicht durch verlässliche Studien geklärt. Besprechen Sie Ihr persönliches Risiko in der augenärztlichen Praxis.
Grauer Star (Katarakt)
Beim Grauen Star trübt sich die Augenlinse allmählich ein. Das Sehen wird verschwommen, als blicke man durch Nebel, Farben wirken blasser und Gegenlicht blendet stärker, etwa beim nächtlichen Autofahren. Der Graue Star entwickelt sich meist über Jahre und ist eine typische Alterserscheinung.
Wenn er im Alltag stört, kann er operiert werden. Dabei wird die getrübte Linse entfernt und durch eine Kunstlinse ersetzt. Der Eingriff gehört zu den häufigsten Operationen überhaupt und erfolgt meist ambulant.
Was Sie selbst für Ihre Augen tun können
• Nicht rauchen: Rauchen erhöht das Risiko für AMD deutlich und lässt sie früher beginnen.
• Blutdruck und Blutzucker im Blick behalten: Beide können die feinen Gefäße der Netzhaut schädigen. Bei Diabetes gehört eine regelmäßige augenärztliche Untersuchung der Netzhaut dazu.
• Bei starker Sonne eine Sonnenbrille mit UV-Schutz tragen.
• Viel Gemüse essen: Rote Paprika, Grünkohl, Spinat, Mais, Feldsalat und Eigelb liefern die Pflanzenfarbstoffe Lutein und Zeaxanthin. Gegart und mit etwas Öl werden sie besser aufgenommen.
• Beim Lesen für gutes Licht sorgen und die Brillenstärke regelmäßig überprüfen lassen.
• Bei Bildschirmarbeit Pausen einplanen.
Wer Auto fährt, sollte sein Sehvermögen regelmäßig testen lassen, besonders wenn das Sehen in der Dämmerung schlechter wird.
Warnzeichen: wann Sie sofort handeln sollten
• plötzliche Sehverschlechterung oder plötzlicher Sehverlust: sofort augenärztlich oder in der Notaufnahme abklären
• Lichtblitze, plötzlich viele schwarze Punkte (»Rußregen«) oder ein Schatten im Gesichtsfeld: sofort, es kann eine Netzhautablösung dahinterstecken
• plötzlich verzerrtes Sehen, gerade Linien wirken wellig: zeitnah augenärztlich abklären
• starke Augenschmerzen mit rotem Auge, verschwommenem Sehen, Farbringen um Lichter, Kopfschmerz oder Übelkeit: Verdacht auf akuten Glaukomanfall, sofort Hilfe holen
• plötzliches Doppeltsehen: sofort ärztlich abklären
• Verätzung: Auge sofort mehrere Minuten mit viel Wasser spülen und umgehend ärztliche Hilfe holen
• Verletzungen des Auges: sofort ärztliche Hilfe
Erste Anlaufstelle ist die augenärztliche Praxis, Augenoptiker passen Brillen und Kontaktlinsen an. Im Notfall wählen Sie 112, außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den Bereitschaftsdienst unter 116117.
Häufige Irrtümer
• »Mit den richtigen Kapseln brauche ich keine Brille mehr.« Fehlsichtigkeit ist eine optische Frage und lässt sich nicht wegessen.
• »Wer scharf sieht, hat gesunde Augen.« Ein Glaukom lässt das zentrale Sehen lange unberührt, die Schäden beginnen am Rand.
• »Möhren machen Adleraugen.« Vitamin A ist für das Sehen nötig. Wer ausreichend versorgt ist, sieht durch mehr Möhren aber nicht schärfer.
• »Trockene Augen sind ein reines Altersproblem.« Bildschirmarbeit, Heizungsluft und Kontaktlinsen betreffen jede Altersgruppe.
Augenkapseln und Nahrungsergänzung realistisch eingeordnet
Viele Augenpräparate enthalten Lutein, Zeaxanthin, Heidelbeerextrakt, Astaxanthin, Vitamine und Zink. Lutein und Zeaxanthin bilden das gelbe Pigment der Makula und filtern blaues Licht. Der Körper kann sie nicht selbst herstellen, nimmt sie aber über Gemüse auf.
Was die Forschung sagt:
• Dass Nahrungsergänzungsmittel eine AMD verhindern, ist nicht belegt. Für Aussagen, Zeaxanthin erhalte die Sehkraft, reichen die Belege nicht aus.
• Bei Menschen mit großen Drusen, also Ablagerungen unter der Netzhaut und einem erhöhten Risiko für Sehverlust, können bestimmte hochdosierte Kombinationen aus Vitamin C, Vitamin E, Zink, Kupfer und Lutein mit Zeaxanthin das Fortschreiten verlangsamen. Diese Ergebnisse gelten nur für genau diese Zusammensetzung und gehören in augenärztliche Begleitung.
• Zugelassene Aussagen gibt es für einzelne Nährstoffe, zum Beispiel »Vitamin A trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei.«, »Riboflavin trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei.«, »Zink trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei.« und »DHA trägt zur Erhaltung einer normalen Sehkraft bei.« Sie beschreiben die normale Funktion, keine Verbesserung.
Wichtige Hinweise: Für Zeaxanthin gelten bis 2 mg pro Tag als unbedenklich. Hochdosiertes Beta-Carotin ist für Raucherinnen und Raucher nicht geeignet. Die empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden.
Produkte in diesem Bereich
Unten finden Sie Produkte, die wir dem Thema Augen und Sehen zugeordnet haben, darunter Kapseln mit Pflanzenstoffen und Vitaminen. Sie ersetzen keine Behandlung und keine Brille. Bei Veränderungen des Sehens lassen Sie die Ursache bitte zuerst augenärztlich abklären.